Frühjahrs-Call 2026: Unsere neuen Förderprojekte

Transfer für globale Herausforderungen

Mit dem Förderprogramm »Transfer für globale Herausforderungen« unterstützt die Fraunhofer-Zukunftsstiftung Forschungsvorhaben, die wissenschaftliche Exzellenz mit einem klaren gesellschaftlichen Nutzen verbinden. Im Mittelpunkt stehen innovative Ideen, die Antworten auf globale Herausforderungen liefern und den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis vorantreiben.

Das Interesse am Förderprogramm war auch in diesem Jahr groß: Insgesamt haben 32 Forschungsteams Anträge eingereicht. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren erreichten 11 Projekte die Finalrunde. 6 Forschungsvorhaben konnten schließlich mit ihrer Innovationskraft und ihrem Potenzial überzeugen und werden seit dem 1. Juli 2026 von der Fraunhofer-Zukunftsstiftung unterstützt.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die ausgewählten Projekte vor.

ARKON – Zurück zu reinem Wasser

Laut Umweltbundesamt finden sich Rückstände von 414 unterschiedlichen Arzneimitteln in deutschen Gewässern, dazu Pestizide und extrem langlebige Chemikalien wie PFAS. ARKON könnte den Eintrag solcher Mikroschadstoffe über Kläranlagen verhindern.

© GettyImages, Lu shengyi

Trotz der Abwasserreinigung in kommunalen Kläranlagen werden bestimmte bedenkliche Substanzen nicht vollständig eliminiert und gelangen anschließend in Flüsse, Seen und Bäche. Dort beeinträchtigen sie schon in geringsten Konzentrationen Ökosysteme, erreichen die Nahrungskette und gefährden möglicherweise die Gesundheit der Bevölkerung. Fraunhofer UMSICHT entwickelt ein neues Verfahren für die vierte Reinigungsstufe im Klärprozess, das neben Arzneimittelrückständen und Pestiziden auch extrem langlebige Chemikalien (PFAS) aus dem Wasser filtert. Dank des Kreislaufprinzips arbeitet ARKON energieeffizient und ressourcenschonend. Durch die vergleichsweise moderaten Anschaffungs- und Folgekosten bietet die Technologie den Betreibern von Kläranlagen eine wirtschaftliche Lösung, um den Eintrag potenziell gefährlicher Schadstoffe in die Umwelt zu verhindern und die Anforderungen der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie zu erfüllen.

BENEFIT – Schnell zur individualisierten Krebstherapie

Jeder zweite Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Und bislang profitiert nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten – etwa 3 Prozent – von personalisierten Krebstherapien. Doch das könnte sich mit dieser neuen Technologie ändern.

© Fraunhofer ITEM

Ein Team des Fraunhofer ITEM hat einen innovativen Test entwickelt, mit dem sich Krebsmedikamente direkt an lebendem Tumorgewebe auf ihre Wirksamkeit prüfen lassen. Das Ziel: die schnelle Identifikation genau der Therapie, die die besten Erfolgsaussichten bietet – individuell für die jeweilige Person. Mithilfe unserer Förderung führt das Forschungsteam seit dem 1. Juli 2026 eine Validierungsstudie durch – ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zur Markteinführung und damit hin zu einer präziseren, wirksameren Krebsbehandlung.

MACAUBA – Schutz der brasilianischen Regenwälder

Schätzungen zufolge gehen jährlich rund 500.000 Hektar Regenwald für den Anbau von Ölfrüchten verloren – insbesondere für die Soja- und Palmölproduktion. Die Macaúba-Palme könnte eine wirtschaftlich attraktive und nachhaltige Alternative zu diesen Ölkulturen bieten und so dazu beitragen, weitere Abholzungen wertvoller Waldbestände zu begrenzen.

© Fraunhofer IVV

Macaúba-Palmen liefern Öl und Inhaltsstoffe für Lebensmittel und Kosmetika. Zugleich sind sie anpassungsfähig und lassen sich auch außerhalb der Tropen gewinnbringend anbauen. Weil die Macaúba-Palme sogar auf trockenen, kargen Böden hohe Ölerträge bringt, ermöglicht sie die Rekultivierung ausgelaugter, erosionsgefährdeter Flächen und könnte dort die Biodiversität erhöhen. Allerdings fehlt noch eine tragfähige, nachhaltige Macaúba-Wertschöpfungskette. Ein Team am Fraunhofer IVV hat deshalb zusammen mit brasilianischen Partnern ein Extraktionsverfahren entwickelt, das eine ganzheitliche Nutzung der Macaúba-Früchte möglich und drei wertvolle Inhaltsstoffe verfügbar macht: Öl bzw. Fette, Protein und Ballaststoffe. Mithilfe unserer Förderung treibt das Forschungsteam die Integration des Prozesses in die Macaúba-Wertschöpfungskette voran – ein weiterer Schritt auf dem Weg zum weltweiten Einsatz von Macaúba als Alternative zur Ölpalme und damit zum Erhalt der verbliebenen Regenwälder.

Smart-LNP – Optimierte Entwicklung von Gentherapien

Zwischen vielversprechender Forschung und einer erfolgreichen Therapie liegt oft ein langer, komplexer Entwicklungsprozess. Smart-LNP will diese Hürde überwinden – schneller, effizienter und mit besseren Erfolgsaussichten.

© Fraunhofer IPK

Die KI-gestützte Plattform Smart-LNP vom Fraunhofer-Institut IPK kombiniert automatisierte Mikrofluidik mit Künstlicher Intelligenz, um die Entwicklung von Lipidnanopartikeln (LNP) für mRNA-Impfstoffe, Gentherapien und siRNA-Therapeutika grundlegend zu verbessern. Bislang werden geeignete LNP-Formulierungen häufig im Trial-and-Error-Verfahren erarbeitet. Das bedeutet: hunderte Versuche, hohe Materialkosten, lange Entwicklungszeiten – und dennoch scheitern rund 80 % der Wirkstoffkandidaten bereits in der Präklinik. Smart-LNP ermöglicht eine rund doppelt so schnelle Entwicklung von Gentherapien, höhere Erfolgsraten, bis zu 90 % geringere Herstellungskosten und einen reduzierten Verbrauch von Reagenzien und Einwegmaterialien. Mit der Förderung der Fraunhofer-Zukunftsstiftung soll die Smart-LNP-Plattform vom bestehenden Prototypen zu einem marktreifen Komplettsystem für das automatisierte Hochdurchsatz-Screening von LNP-Formulierungen weiterentwickelt werden.

NGU – Niederschwellige Gehörunterstützung

83 % der über 430 Millionen Menschen mit Hörminderung nutzen keine Hörgeräte – oft wegen der Kosten oder aus Sorge vor Stigmatisierung. NGU ermöglicht ihnen eine günstige, dezente Hilfe über In-Ear-Kopfhörer.

© Fraunhofer IIS / KI generiert

Kommunikationsprobleme durch eingeschränkte Sprachverständlichkeit führen auf lange Sicht häufig zu sozialem Rückzug, zu einer verringerten Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben – möglicherweise mit dramatischen Auswirkungen auf Lebensqualität und die psychische Gesundheit. Die KI-basierte niederschwellige Gehörunterstützung NGU vom Fraunhofer-Institut IIS erleichtert den Zugang zu einer Hörhilfe, zumal sie direkt im Elektrofachhandel erhältlich sein könnte und In-Ear-Kopfhörer deutlich weniger kosten als Hörgeräte. Außerdem funktioniert sie ohne Anpassungen und Wartung durch Fachpersonal. Mit der Förderung soll die NGU-Technologie um eine KI-basierte Störgeräuschunterdrückung und Sprecherextraktion erweitert werden. Die Störgeräuschunterdrückung reduziert die Hintergrundkulisse und verbessert so die Sprachverständlichkeit – auch in lauten Alltagssituationen. Die Sprecherextraktion hebt gezielt die Stimme des Gesprächspartners hervor, wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen.

DRIVE-KIT – KI-Assistent für Berufskraftfahrer

39 % der rund 480.000 Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Viele stehen im Arbeitsalltag vor sprachlichen Herausforderungen. DRIVE-KIT hilft ihnen, sich zurechtzufinden.

© Fraunhofer / KI-gestützte Visualisierung

Einsprachige Handbücher, unübersichtliche PDF-Dateien, Missverständnisse in der Verständigung mit Disponenten: Für viele Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer sind diese Hürden täglich Realität – insbesondere dann, wenn sie nur geringe oder keine Deutschkenntnisse haben. Die Folgen sind erheblich: Schätzungen zufolge entstehen dadurch jährlich Schäden in Höhe von rund 10 Milliarden Euro. DRIVE-KIT unterstützt dabei, Sprachbarrieren zu überwinden. Der KI-Assistent vom Fraunhofer-Institut IML findet relevante Informationen in Sekundenschnelle, bereitet sie strukturiert in der jeweiligen Sprache auf, erleichtert die Kommunikation mit allen Beteiligten entlang der Logistikkette und erfüllt hohe Anforderungen an den Datenschutz (DSGVO). Mit der Förderung erweitert das Forschungsteam die Technologie um eine intelligente Verknüpfung von Standort‑ und Auftragsdaten. Dadurch könnte die Plattform künftig proaktiv genau die Informationen bereitstellen, die in der konkreten Situation benötigt werden.